Mittwoch, 30. November 2016

Das gumblesche Desasterlust-Theorem


Nachdem neulich bekannt wurde, dass Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten gewählt wurde, habe ich mir mal wieder über ein – von mir unterstelltes – Phänomen in der menschlichen Psyche Gedanken gemacht. Wie üblich stelle ich diese These allein aufgrund von Beobachtungen und ohne klinischen Nachweis oder wissenschaftlichen Beleg auf. Diplomierte Geisteswissenschaftler etc. sollten an dieser Stelle besser aufhören zu lesen. Nun gut, ich postuliere, dass es in der menschlichen Natur ein Phänomen gibt, dass noch einen Schritt weiter geht als Tragödiengeilheit, Katastrophentourismus und Unfallvoyeurismus.
Nämlich scheint mir, dass der Mensch einen Lustgewinn aus a) dem möglichst grossen Ausmass eines Unglücks und b) einer absolut unerwarteten Gegebenheit, ungeachtet der negativen Folgen zieht. Dies gilt natürlich primär dann, wenn er nicht persönlich und direkt davon betroffen ist. Als Beispiel möchte ich die Wahl von Donald Trump als POTUS heranziehen. Es handelt sich hierbei um ein Ereignis, dass der Aussenstehende (=nicht-Amerikaner) als nicht wünschenswert erkennen müsste. Trotzdem schien dieses vor kurzen noch undenkbare aber fatale Szenario eine grosse Faszination auszuüben. Der Mensch scheint zu denken, „wenn X eintritt, dann wäre das objektiv gesehen schlimm, da die negativen Konsequenzen / Gefahren Y drohen. Trotzdem wäre es spannend zu sehen was passiert.“ Es scheint, als ob der Mensch angesichts der Möglichkeit eines undenkbaren Ausganges eine Erregung verspürt. Das mag daher kommen, dass man nun eine Veränderung erwartet oder dass man gespannt ist auf den tatsächlichen Ausgang des Undenkbaren (= ich kann es mir nicht vorstellen, bin aber neugierig was passiert). Als zweites Beispiel könnte eine ähnliche Erregung während Katastrophen vorkommen. So dass man während Ereignissen wie den Terroranschlägen vom 11. September oder dem Erdbebenunglück von Fukushima einerseits Erschütterung feststellen konnte, andererseits eine gewisse Lust nach dem Fatalen, nach einem möglichst grossen Unglück. Jede neue Meldung wurde einerseits mit (gespielter?) Betroffenheit aufgenommen, andererseits konnte man teilweise beobachten, wie bei den Menschen der Puls und die Stimme nach oben ging, wie das Thema mehr Anregung als Ablehnung in ihnen weckte. Ich behaupte, dass der Mensch als vernünftiges Wesen, nie zugeben würde, dass er solche Gefühle im Angesicht einer Tragödie empfindet. Aber, fernab jeglicher moralischer Kontrolle, könnten sich innerlich diese Prozesse abspielen. Neben denselben Faktoren, die bei den obenerwähnten Phänomenen Tragödiengeilheit, Katastrophentourismus und Unfallvoyeurismus auslösend sind, könnte noch ein weiterer Grund für diese Form der „Freude am Unglück“ verantwortlich sein: Es könnte eine menschliche Reflexion sein, die einem das Bewusstsein gibt, etwas historisches miterlebt zu haben. Je grösser die Katastrophe, je undenkbarer das Ereignis, desto grösser der Eintrag im Geschichtsbuch, den man miterlebt hatte. Dadurch erhält die eigene absurde Existenz etwas mehr an Bedeutung, verglichen mit der Unendlichkeit der Zeit. Übrigens fühle ich mich als Entdecker dieses Phänomens, weshalb ich mir herausnehme, diese konkrete Form der „Freude am Unglück“ zu benennen. Ich möchte daher, dass dies in akademischen Kreisen und wissenschaftlichen Publikationen fortan als das „gumblesche Desasterlust-Theorem“ bezeichnet wird. Natürlich sind ein paar hundert hingerotzte Wörter noch kein Theorem, sondern bestenfalls eine These. Aber das muss reichen für den Moment. Ich war an keiner Uni, habe keine Ahnung von Psychologie und bin ein fauler Sack. Ich habe den Diamanten aus der Mine geholt, jetzt soll irgend so ein Doktor oder Professor ihn aufnehmen und ihm den entsprechenden Feinschliff verpassen.

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