Mittwoch, 27. September 2017

Fragen zum Potenzial


Du bist doch ziemlich klug
sagen sie
warum hast du nicht studiert?
fragen sie.

Keine Lust
sage ich
stumpfsinniges Bildungsdiktat
sage ich.

Freitag, 16. Juni 2017

Der grosse Denker im Sommer

Der grosse Denker schwitzt wie ein gehetztes Schwein. Er sitzt an einem grossen Essay über die menschliche Natur, die Bürde der Freiheit und die Tragik der Sterblichkeit, währendem ihm der Schweiss dem Rücken entlang in die Arschritze läuft und erst in seinen Unterhosen gestoppt und aufgesogen wird. Er denkt an den ollen Sokrates, der im alten Griechenland durch die Strassen flanierte und unschuldigen Dummköpfen unangenehme Fragen stellte.

Donnerstag, 12. Januar 2017

Der Held der Arbeit und sein glorreicher Tag

Der Held der Arbeit hat es auch heute geschafft, sich pünktlich zu erheben. Die Massen feierten seine triumphale Auferstehung und seinen kompromisslosen Gang ins Bad. Die Präzision seiner Rasur sorgte für die ersten Begeisterungsstürme, die nach der effizienten Einnahme des Frühstücks nicht mehr abebben wollten. Die beiläufige Eleganz, mit der er seinen Arbeitsweg bewältigte, liess die Leute träumen und ihren tristen Alltag vergessen.

Freitag, 30. Dezember 2016

Auswahl 2016 (Diverse Fragmente, Gedanken, Notizen)

1.
Der Mensch erfand das Alphabet. Heute feiern wir dies als kulturelle Errungenschaft, als Grundstein der modernen Zivilisationen. Aber warum haben die Ägypter denn überhaupt das Alphabet erfunden? Weil die Hieroglyphen von den Sklaven nicht verstanden wurden. Es ging einzig und allein darum, leicht verständliche Arbeitsanweisungen zu übermitteln. Der Rosettenstein diente zur Überlieferung und Übersetzung der Befehle vom Big Boss zum kleinen Arbeiter. Jahrtausende später schrieb Joyce den Ulysses mit einem Alphabet, dass sich aus diesen Sklavensymbolen entwickelte. Leopold Bloom war auch so ein Sklave, aber natürlich modernerer Prägung. Wie wir alle heute Sklaven der Arbeit und des Kapitals und des Internets und der Sexualität und der Suchtmittel sind.

Freitag, 9. Dezember 2016

Intellektuelle Eitelkeit und die Vollpfostenerkenntis



Der Nachteil, wenn man sich mit altem Wissen und grossen Denkern befasst besteht darin, dass man oftmals überholte Positionen betrachtet. Im Falle der Philosophen kann dies dazu führen, dass man sich in Probleme oder in Lösungsansätze hineindenkt, die längst gelöst oder widerlegt sind. Diese Problematik besteht, wenn man sich beispielsweise mit dem Leib-Seele-Problem, resp. dem Dualismus befasst und die Positionen dazu als einleuchtend erachtet, sich aber noch nicht mit moderneren Konzepten wie dem Materialismus befasst.

Mittwoch, 30. November 2016

Das gumblesche Desasterlust-Theorem


Nachdem neulich bekannt wurde, dass Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten gewählt wurde, habe ich mir mal wieder über ein – von mir unterstelltes – Phänomen in der menschlichen Psyche Gedanken gemacht. Wie üblich stelle ich diese These allein aufgrund von Beobachtungen und ohne klinischen Nachweis oder wissenschaftlichen Beleg auf. Diplomierte Geisteswissenschaftler etc. sollten an dieser Stelle besser aufhören zu lesen. Nun gut, ich postuliere, dass es in der menschlichen Natur ein Phänomen gibt, dass noch einen Schritt weiter geht als Tragödiengeilheit, Katastrophentourismus und Unfallvoyeurismus.

Freitag, 18. November 2016

Huldigung an den Schmerz


Heute ist wieder so ein Tag, an dem ich der wunderbaren Süsse eines dumpfen, körperlichen Schmerzes huldigen möchte. Ich fühle mich, als hätte ich die Nacht in einer Schrottpresse verbracht und wäre heute Morgen als kompakter Blechwürfel ausgespuckt worden. Fussball ist eigentlich ein wunderbarer Sport, ein herrliches Spiel. Aber wenn man über 30 ist, dann ist die Essenz von Fussballspielen Masochismus.